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Die Kinder:


Fast alle Kinder, die in den Nazareno-Dörfern Zuflucht gefunden haben, stammen aus Familien, die in Hütten in einem der zahlreichen Elendsvierteln von Fortaleza oder Recife wohnen. Vor einem Monat jedoch ist vom Nazareno-Team ein Kind aufgenommen worden, Jefferson (9  Jahre), der von Geburt an schon auf der Strasse lebte. Seine Familie wohnt seit 10 Jahren unter einer Brücke am Stadtrand von Fortaleza. Aus Sperrmüll haben sie ein paar Wände gebastelt. Die Strassenbrücke ist ihr Dach über dem Kopf. Sie leben von Almosen und haben weder Nachbarschaft noch sind sie einer Gemeinde angeschlossen. Die Mutter schnüffelt Schusterleim und war nicht da, als wir die Familie besuchten. Wer sich um die vielen Kinder kümmert, ist die Oma. 

Jefferson meinte dazu: „Ich wollte einfach nur weg. Was sollte ich denn auch den ganzen Tag machen. So lernte ich umsonst mit dem Omnibus zu fahren und fuhr dann immer ins Touristenviertel, wo ich die Kinder kennenlernte, die dort auf der Strasse schlafen. Meine Familie sah mich immer seltener. Im Nazareno-Dorf gefällt mir nur nicht, dass ich jetzt immer so früh aufstehen muss, um  zur Schule zu gehen“.

 

 

Leandros Geschichte

Leandro kam durch eine Klosterschwester am 23 Februar 2003 ins Nazareno-Dorf/Recife. Damals war er zwölf Jahre alt. Normalerweise befragen wir jeden Neuankömmling über seine Familie. Leandro erzählte uns, dass er aus dem Stadtteil Santa Cecilia, aus der Metropole Sao Paulo stamme, und dass seine Eltern dort von einem Verbrecher ermordet wurden. Er hätte das alles mit angesehen und wäre nur verschont geblieben, weil er sich unter dem Bett versteckt hätte. Erst vor ein paar Monaten erzählte Leandro mir die wahre Geschichte:

„Mein richtiger Name ist José Leandro Silver und ich lebe seit 3 Jahren im Nazareno-Dorf auf der Insel Itamaracá.  Mein Leben zu Hause war schlimm, weil ich viel angestellt habe. Meine Mutter hat mich deshalb viel geschlagen. Ich wollte nicht mehr zu Hause bleiben, deshalb habe ich noch mehr angestellt. Mir gefiel die Art nicht wie meine Mutter Männer mit nach Hause brachte. Ich hasste es sogar. Als ich fünf und mein Bruder drei Jahre alt war, hat meine Mutter einen Mann nach Hause gebracht und sich vor ihm und uns ausgezogen. Etwas später ging der Mann und ließ Geld neben dem Bett. Es waren 10 Real. Sie machte das für nur 10 Real. So ging es jeden Tag bei uns zu Hause. Mit 11 Jahren bin ich von zu Hause weggelaufen, weil ich es nicht mit ansehen konnte wie sich meine Mutter prostituierte.  Als ich von Maceio nach Recife kam, wollte ich nichts mehr mit ihr zu tun haben. Deshalb habe ich mir einen neuen Namen,, Marcelo da Silva Santos Ferreira Marquizan,, und eine Geschichte über den Tod meiner in Sao Paulo ausgedacht. Doch das ist Vergangenheit. Heute möchte ich darüber erzählen, wie ich meine Mutter nach so langer Zeit wieder traf. Ihr Name ist Lucia. Seit einiger Zeit hatte ich schon Sehnsucht nach ihr und meinen Geschwistern. Deshalb habe ich erst jetzt die Wahrheit über meine Herkunft und meinen Namen erzählt. 

Severino, der Mann unserer Köchin, hat ihre Adresse in Maceio, der Hauptstadt von Alagoas, herausgefunden und Chiquinho hat mir versprochen, dass wir sie besuchen werden.

Schon lange vor der Fahrt war ich sehr aufgeregt und erzählte allen, dass ich meine Mutter bald wieder sehen werde. In der Karwoche fuhren wir dann endlich nach Maceio.

Als ich meine Mutter wieder sah, habe ich vor Glück geweint und ich merkte wie lieb ich sie  habe. Sie hat sich auch von ganzem Herzen gefreut mich wieder zu sehen und sagte: „Du bist aber groß und schön geworden und siehst deinem Vater sehr ähnlich.“ Danach hat sie geweint, denn mein Vater starb, als ich drei Jahre alt war. Er hatte keine Arbeit und versuchte seine Verzweiflung im Alkohol zu ertränken.  Nicht nur meine Mutter, sondern auch der Rest der Familie, freute sich mich wieder zu sehen. Meine Tante hat mich nicht mehr erkannt, weil ich so gewachsen bin. Erst als ich sie mit ihrem Namen begrüßte, erkannte sie mich wieder. Genauso erging es meinen alten Freunden. Die glaubten erst, ich sei neu im Viertel.

Ich denke, es ist gut, dass ich meiner Mutter gesagt habe, wie lieb ich sie habe. Denn sie ist und bleibt meine Mutter und sie liebt und sorgt sich um mich. Jetzt weiß sie, dass es mir gut geht und dass ich beim kleinen Nazareno ein neues, glückliches zu Hause gefunden habe.

Chiquinho, der interne Leiter des Nazareno-Dorfes in Recife, fügte hinzu:

                                    Wir näherten  uns zusammen mit Leandro dem Haus, als eine Frau herauskam, die  und wie gelähmt stehen blieb. Dann sagte Marcelo: „Segen mit Dir, Mutter!“ Danach umarmten sich die beiden innig und weinten Freudentränen. Das Glücksgefühl schien kein Ende zu nehmen. Unter Tränen, Küssen und Umarmungen fragte seine Mutter, wo er die ganze Zeit war. Denn sie habe ihn überall gesucht und nirgendwo gefunden. Sie schluchzte und sagte, sie glaubte ihn schon tot..  Das letzte Mal, als sie ihn sah, war auf der Strasse. Aber sie schaffte es nicht, ihn zurück nach Hause zu bringen. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich mich an die Szene des Treffens von Marcelo und seiner Mutter erinnere.

   

 

(Leandro und seine Mutter)

 

Weihnachtsrundschreiben 2007 aus Brasilien:

Weihnachtsnachrichten2007.pdf   

 

Nachrichten aus den beiden Nazareno Dörfer (August 2007)

Nachrichten 08/2007

 
 
Cassiano mit Trommel Limettentanz (Leo und Leo) Genilson, Cassiano  
       
       

 

 

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Stand: 20.08.08